Vollassoziierung der Schweiz bei «Creative Europe», «Erasmus+» und «Horizon» als integraler Teil der Verhandlungen zu den Bilateralen III
Offener Brief an Herrn Bundesrat Cassis
Sehr geehrter Herr Bundesrat Cassis
Seit 2012 verweist der Bundesrat in jeder Kulturbotschaft auf die Bedeutung des europäischen Programms «Creative Europe» für das Schweizer Kulturschaffen und betont den Willen, dass auch die Schweiz daran wieder teilnehmen soll.
Das Programm «Creative Europe 2021–2027» wird von der EU mit einem Gesamtbudget von 2.44 Milliarden Euro veranschlagt. Die Hauptziele sind gemäss EU folgende: 1) Wahrung, Entwicklung und Förderung der europäischen kulturellen und sprachlichen Vielfalt und des europäischen Kultur- und Spracherbes; 2) Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und des wirtschaftlichen Potenzials des Kultur- und Kreativsektors, insbesondere des audiovisuellen Sektors.
Die Initiierung von eigenen internationalen Projekten, die von «Creative Europe» unterstützt werden, ist für Schweizer:innen seit 2014 ganz ausgeschlossen. Zudem können Schweizer Kulturschaffende, Kulturinstitutionen oder Kulturorganisationen erst seit diesem Jahr wieder an Programmen oder Wettbewerben teilnehmen, die von «Creative Europe» (mit)finanziert sind. Dies häufig nur, wenn sie die dafür notwendigen finanziellen Mittel vollständig selbst aufbringen. Bei einem Förderetat für «Creative Europe» von 2.44 Milliarden Euro für die Legislatur 2021 bis 2027 entgehen der Schweizer Kultur somit auch wichtige Fördermittel für multilaterale Projekte, Kooperationen, Programme und Weiterbildungen.
Für die Kultur sind der europäische Austausch und die multilaterale Zusammenarbeit lebenswichtig, sowohl für Innovation und Entwicklung wie auch in ökonomischer Hinsicht. Zwar leistet die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia im Bereich des internationalen Kulturaustauschs wichtige Arbeit und die zeitlich befristeten Kompensationsmassnahmen im audiovisuellen Bereich bringen durchaus gewisse Verbesserungen. Doch das reicht schlicht nicht aus. Soll die Schweizer Kultur auf dem europäischen Kunst- und Audiovisionsmarkt weiterhin bestehen, muss jetzt gehandelt werden! Ansonsten ist auch der wirtschaftliche Schaden beträchtlich und zu einem guten Teil irreversibel.
Deshalb fordert Suisseculture, der nationale Dachverband der Organisationen der professionellen Kultur- und Medienschaffenden sowie der Schweizer Urheberrechtsgesellschaften, den Wiederbeitritt der Schweiz zum europäischen Kulturprogramm «Creative Europe» und die Vollassoziierung der Schweiz bei «Creative Europe», «Erasmus+» und «Horizon». Für den Schweizer Kulturbereich ist die Teilnahme an allen drei Programmen essenziell, denn diese bauen aufeinander auf und ergänzen sich gegenseitig!
Gerne fordern wir Sie auf, dass Sie bei den aktuellen Verhandlungen mit der EU zur Aktualisierung der bilateralen Verträge, die Teilnahme der Schweiz an den drei Programmen «Creative Europe», «Erasmus+» und «Horizon» aktiv verfolgen. Von Seiten der Europäischen Union sind alle drei Programme bereits integrativer Teil der laufenden Verhandlungen.
Die Diskriminierung der Schweizer Kulturschaffenden auf europäischer Ebene muss endlich ein Ende finden.
Mit bestem Dank für die Berücksichtigung unserer Anliegen verbleibt mit freundlichen Grüssen
Suisseculture