Nein zur SRG-Halbierungsinitiative – sie trifft die Schweizer Kultur direkt

Suisseculture, der Dachverband der Organisationen der professionellen Kultur- und Medienschaffenden sowie der Verwertungsgesellschaften der Schweiz, empfiehlt für die Volksabstimmung vom 8. März 2026 ein Nein zur SRG-Halbierungsinitiative «200 Franken sind genug».

„Wir üben Kritik, wo Kulturformate abgebaut werden. Aber eine Halbierung löst kein Problem. Sie schafft neue – auf Kosten von Schweizer Kultur und ihrer Sichtbarkeit.“ Estelle Revaz, Präsidentin, Suisseculture

Die Initiative will die Haushaltsabgabe deutlich senken und Unternehmen ganz von der Abgabe befreien. Das würde der SRG einen sehr grossen Teil ihrer Mittel entziehen. Gemäss den vorliegenden Berechnungen sinken die Einnahmen der SRG allein durch Abgabeänderungen um rund 650 Mio. Franken; zusammen mit erwarteten Ausfällen bei der Werbung würde das Gesamtbudget auf rund 750 Mio. Franken fallen – also deutlich mehr als halbiert.

Für die Kultur hätte das gravierende Folgen. Die SRG ist eine wichtige Auftraggeberin und Partnerin: für Schweizer Filme und Koproduktionen, für Musik, für Produktionen und Postproduktion, für Kulturberichterstattung und Kritik, für Archive und für die Sichtbarkeit von Nachwuchs, Minderheiten und Randregionen. Wenn die Mittel fehlen, folgen weniger Aufträge, weniger Präsenz und weniger Vermittlung.

Schliesslich ist die SRG mit ihren Sendern auch zentrales Medium für Menschen mit Beeinträchtigungen. In der Schweiz leben fast eine Million Menschen mit einer Sinnesbehinderung. Mittels Untertitelung, Audiodeskription und Gebärdensprache bietet die SRG diesen Menschen Zugang zu Kultur.

Suisseculture sagt das auch mit Blick auf die Realität: Die SRG steht bereits unter Spardruck. Eine weitere Halbierung ist keine «Optimierung». Sie zwingt zu einem Abbau, der besonders in den kleineren Sprachräumen sowie bei Nischen- und Nachwuchsformaten zuerst spürbar wird. 

Suisseculture unterstützt Reformen und bleibt im kritischen Dialog mit der SRG. Aber Reformen brauchen eine tragfähige Finanzierung. Eine Halbierung macht den Kulturauftrag zur Farce.

Bedeutung der SRG für Kultur

Kultur ist Kern des Service public Auftrags, kein Beigemüse.

Die SRG ist eine unverzichtbare Produzentin, Förderin und Vermittlerin von Kultur in allen Sprachregionen: von Aufträgen an Filmschaffende über Musikförderung und Tantiemen bis zu Kulturberichterstattung, Kritiken, Archiven und der Sichtbarkeit von Nachwuchs, Minderheiten und Randregionen. Kulturjournalismus schafft Orientierung, Reichweite und Einkommen; ohne stabile Finanzierung bricht diese Infrastruktur weg.

Suisseculture unterstützt die SRG, trotz Kritik

Suisseculture steht mit der SRG in regelmässigem, offenen Austausch und übt dort Kritik, wo Kulturformate abgebaut und die Präsenz von Kultur geschmälert wird. Aber: Mit einer weiteren Reduzierung des Budgets würden genau diese Missstände dramatisch zunehmen – weniger Kulturjournalismus, weniger Aufträge, weniger Vermittlung. Darum setzt sich Suisseculture gegen die Halbierungsinitiative ein - für Kultur und Kulturschaffende. Gleichzeitig haben wir klare Erwartungen an die SRG: die Umsetzung des Kultur- und Bildungsauftrags, transparente Zielgrössen, Qualitätssicherung und Schutz der Vielfalt in allen Sprachregionen.

Verliert Kultur, verlieren alle

Die Folgen einer Reduktion der Haushaltsabgabe und der Wegfall der Unternehmensabgabe wären:

  • Kulturschaffende verlieren Aufträge und Tantiemen (Film/Koproduktionen, Musik, freie Szenen, Technik, Postproduktion, Kritik)
  • das Publikum verliert Vielfalt und beliebte Formate in allen Sparten;
  • Regionen verlieren Sichtbarkeit.

Der verfassungs- und konzessionsrechtlich verankerte Leistungsauftrag des medialen Service public wäre nicht mehr erfüllbar.

Für Diversität und Vielfalt

Die mehrsprachige Schweiz ist föderal und kulturell vielfältig. Eigenständige Angebote in allen Sprachregionen, regionale Studios und Berichterstattung über Randregionen und Minderheiten verursachen Mehrkosten – sind aber zentral für den Zusammenhalt unseres Landes. Eine Reduktion der Mittel trifft zuerst die kleineren Sprachräume, Nischen- und Nachwuchsformate. Zur Vielfalt gehört auch das Auslandsmandat (u. a. swissinfo.ch sowie Partnerschaften wie 3sat und TV5MONDE): Es macht Schweizer Kultur international sichtbar, eröffnet Koproduktions- und Distributionskanäle und stärkt die «fünfte Schweiz» (Diaspora). Wer halbiert, schwächt diese Brücken – nach innen und nach aussen.

Weitere Informationen und regelmässige Aktualisierungen finden sich hier.

 

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